Mit der „Masche Klinsmann“ zum wirtschaftlichen Erfolg

 

München, Mai 2006 - Während in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft Verunsicherung und Zurückhaltung vorherrschen, machen zwei Jungunternehmer aus Deutschland und Indien vor, dass sich Mut noch immer lohnt. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Kommilitonen entschieden sie sich gegen eine gut bezahlte Festanstellung und spielten auf Risiko – wie Jürgen Klinsmann…

Als Jürgen Klinsmann im Sommer 2004 als Bundestrainer antrat, wurde er von vielen belächelt. Weil er nach einer desolaten Europameisterschaft sagte: „Wir wollen Weltmeister werden.“ Weil er bei jeder Gelegenheit Optimismus versprühte, während seine Vorgänger auch Zwergstaaten zu gefährlichen Gegnern hochstilisiert hatten. Warum geht Klinsmann nur so ein Risiko ein?, fragten sich viele Beobachter.

Ganz ähnlich, wenngleich von der Öffentlichkeit unbemerkt, erging es zur selben Zeit einem Inder und einem Deutschen. Parikshat Laxminarayan und Alexander Metzler hatten eben ihrem MBA an der renommierten Wirtschaftsuniversität INSEAD in Frankreich und Singapur gemacht. Und anstatt eines der Jobangebote anzunehmen, das ihnen eine hochbezahlte und sichere Festanstellung garantiert hätte, wollten sie sich unbedingt selbstständig machen und ein neuartiges Reiseunternehmen gründen, das voll und ganz auf die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden eingeht und hochwertige maßgeschneiderte Indien-Reisen für ein anspruchsvolles Klientel anbietet. Bei vielen Kommilitonen lösten sie damit Kopfschütteln aus: Wie kann man in wirtschaftlich so unsicheren Zeiten nur so ein Risiko eingehen? Oder: Wie kann man nur auf Angriff spielen, wenn Verteidigung angebracht wäre?

Genau wie Klinsmann, der mit stets entwaffnend-freundlicher Bestimmtheit tat, was er für richtig hielt, ließen sich auch Laxminarayan und Metzler nicht beirren. Sie klopften mit ihrem Businessplan bei möglichen Investoren an. Und es gelang ihnen, die Geldgeber mit ihrer Begeisterung anzustecken. Binnen weniger Monate hatten sie die erforderlichen 150.000 Euro Startkapital zusammen, mit denen sie im Oktober ihr Unternehmen gründeten: Enchanting-India. Firmensitze wurden München und Bangalore und als Vertriebsweg wählten sie aus Kostengründen zunächst das Internet. Mit knappen Ressourcen effektiv wirtschaften: Auch Klinsi kann davon ein Lied singen...

Inzwischen jedoch sind die Ressourcen angewachsen. Nicht nur bei Jürgen Klinsmann der mit einer wieder erstarkten Mannschaft überraschte. Auch Metzler und Laxminarayan haben längst bewiesen, dass ihr Optimismus gerechtfertigt war. Bereits im März, ein halbes Jahr nach Geschäftsaufnahme, erreichte Enchanting-India die Gewinnzone. Bis Juni beliefen sich die Einnahmen aus dem Verkauf von mehr als 200 Reisen auf mehr als eine halbe Million Euro. „Wir konnten unsere Umsatzprognose leicht übertreffen“, sagt Firmeninhaber Metzler, der – um mit Klinsmann zu sprechen – „sehr, sehr zufrieden“ ist, genauso wie seine Kunden, die zu 100 Prozent wieder mit Enchanting-India verreisen würden.

Entsprechend positiv schätzen die beiden Jungunternehmer, deren multinationale Firma inzwischen zehn Voll- und zwei Teilzeitkräfte in Deutschland und Indien beschäftigt, auch die zukünftige Entwicklung von Enchanting-India ein. Noch in diesem Jahr soll der Umsatz die Millionenmarke durchbrechen, mit Enchanting-Sri Lanka haben Sie ein weiteres Reiseland aufgenommen und das erste Reise-Ladengeschaft in Bangalore öffnet im September seine Pforten. 2008 solle der Umsatz bereits knapp sechs Millionen Euro sein. Diese Ziele mögen optimistisch klingen – doch sie sind allemal realistischer als der von Klinsmann angestrebte WM-Titel.

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